Uhr Webseite                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  

 

                                  
                                       

 

         

 

 

   
                                                                                                                   

 

                                                                                                                                                                                                                                                     

   

 

 

 KÖNIG  LUDWIG  DER  II .  -  EIN  EWIG  RÄTSEL  . . .

 

 

Was für ein Mensch war der Bauherr dieser Schlösser ?War er wirklich geisteskrank und sind seine Schöpfungen tatsächlich so ohne weiteres als "Kitsch" abzuwerten ? Um eine halbwegs objektive Beantwortung solcherFragen zu versuchen ,ist es notwendig,etwas Näheres über diesen in seiner Art wohl einzigartigen Monarchen zu wissen.

Am 25 . August 1845 wurde den Bürgern der bayerischen Landeshauptstadt München mit Glockengeläut Kanonendonner angekündigt , daß dem Kronprinzen Maximilian und seiner Frau Marie ,einer Prinzessin von Preußen ,der langersehnte Stammhalter geboren worden war .Der junge Prinz ,auf den der Königsthron in Bayern wartete ,wurde auf den Namen Otto Friedrich Wilhelm Ludwig getauft.Drei Jahre später wurde sein einziger Bruder geboren,der den Namen Otto erhielt.

 

 

  

     Maximilian II .mit seiner Frau und den beiden Söhnen     

Ludwig und Otto um 1850

Nach einer Zeichnung von E . Correns

 

 

 

 

 

 

Schon als Junge durchsteifte er für sich allein die Wälder und Täler um Hohenschwangau.Die Liebe zu den Bergen und zu den einfachen ,treuen und unkomplizierten Bewohnern dieses Berglandes bewahrte er sich sein ganzes Leben.Dem Prinzen stand selten jemand zur Seite ,dem er sich anvertrauen und dem er sein oft übervolles Herz hätte ausschütten können.Wohl deshalb baute es sich schon in jungen Jahren eine eigene Welt auf - lebensfern und ichbezogen.Sein Hauptinteresse wandte sich bald der Literatur zu.Der idealistisch gesinnte und für Romantik schärmende junge Kronprinz liebte vor allem das Pathos der Grdichte und Schauspiele von Friedrich von Schiller und wurde dadurch beeinflußt ,sich noch mehr von der profanen Welt zu trennen und sich in ein geistiges Paradies zu flüchten ,in dem alles nur edel und schön war.    

 

 

 

 

 

 

Als Max II. von Bayern am 10 .März 1864 starb ,wurde Ludwig im Alter von nur 181/2 Jahren König von Bayern .Er hatte kein abgeschlossenes Studium hinter sich und es wurde ihm bis kurz vor seiner Thronbesteigung praktisch keine Gelegenheit geboten ,in das politische Geschehen am Hofe seines Vaters Einblick zu nehmen .Entgegen allen Erwartungen nahm er iedoch die ihm gestellte Aufgabe sehr ernst und er beschäftigte sich eingehend mit der alltäglichen Kleinarbeit eines Regenten.

Eine seiner ersten Maßnahmen als König war der Auftrag an Hofsekretär Pfistermeister ,den von ihm vergötterten Komponisten Richard Wagner zu suchen und ihn zu veranlassen ,nach München zu kommen.Freudig nahm Wagner Anfand Mai 1864 die Einladung an.Am Nachmittag des 4.Mai 1864 stand der Komponist zum erstenmal vor seinem Mäzen.Erst dieser Tag brachte Wagner erneute Schaffensfreude und hatte die Gewähr zur Folge ,daß seine Werke der Nachwelt erhalten blieben.

Die Freundschaft zwischen Richard Wagner und dem König ,die sie seit diesem Zeitpunkt verband ,wirkte auf beide im schöpferischen Sinn befruchtend.

 

Richard Wagner um 1875 

 

 

 

 

König Ludwig II. von Bayern ,um 1864

 

An Freundschaften zum anderen Geschlecht war das Leben des jungen Königs sehr arm.Im Sommer 1864 verbrachte er zwar vier Wochen in Bad Kissingen, war umschwärmt von den Damen und in allen Zirkeln ein gern gesehener udwig Gast.Es ging in diesem Jahr sogar das Gerücht im Lande um ,daß Ludwig die Zarentochter als Königin nach Bayern heimführen wolle ,- diese Vermutungen fanden aber zum Leidwesen des Volkes keine Bestätigung.Eine lebenslange Freundschaft verband ihn nur mit seiner Cousine Elisabeth ,der Kaiserin von Östereich.

Am 22.Januar 1867 fand die Verlobung zwischen Ludwig II.und seiner Cousine, der Prinzessin Sophie Charlotte von Bayern ,einer Schwester der von ihm verehrten Kaiserin Elisabeth von Östereich (Sissi),statt.Die Hochzeit wurde auf den 12.Oktober 1867 festgelegt.Es waren bereits neben den sonstigen Vorbereitungen eine goldene Hochzeitskutsche angefertigt und   Gedenkmünzen geprägt worden ,- da wurde plötzlich und unvermittelt am 10.Oktober des gleichen Jahres dieses Verlöbnis durch den jungen König wieder aufgelöst.Ab diesem Zeitpunkt trug sich der Monarch nie wieder mit Heiratsgedanken.     

 

 

 Ludwig II. mit seiner Braut Prinzessin Sophie ,1867 

 

 

 

 

Bei seinen Ausritten und Spaziergängen zog es Ludwig häufig zu einem landschaftlich besonders reizvollen Platz,unweit des Schlosses Hohenschwangau.Auf einem Vorberg des Tegelberges ,dem sogenannten Schwanstein ,befanden sich die Ruinen der Burgen Vorder - und Hinterhohenschwangau.Von den Bauwerken war nicht mehr allzuviel erhalten, lediglich der Bergfried und der Palas waren im Grundriß noch erkennbar und einige verwitterte Mauerreste ragten bizarr zum Himmel.An dieser Stelle sollte die Wartburg des Königs stehen ,seine Gralsburg.Bereits Maximilian II. hatte Mitte des 19.Jahrhunderts den Plan ,dieses alte Schloß wieder aufzubauen ,doch wurde dieses Vorhaben von ihm niemals verwirklicht.

 

Kronprinz Ludwig um 1863

Nach einem Gemälde von Th . Dietz

 

 

Im Frühjahr 1868 nahmen die Planungen zum Bau dieses neuen Schlosses Gestalt an.Die Reste der alten Burg wurden beseitigt ,eine Wasserleitung und eine Straße angelegt und so konnte Ludwig II. am 5. September 1869 endlich den Grundstein zum heutigen Schloß Neuschwanstein legen.In diesem Schloß ,daß volle 17 Jahre in Anspruch nahm und trotzdem nie vollendet wurde ,sollte später der König die bitterste Demütigung seines Lebens erfahren ,sollte ihn sein tragisches Schicksal ereilen.Der langjährige Kampf gegen politische Intrigen und gegen persönliche Angriffe verbitterte den König immer mehr.Je mehr er sich von seiner Umwelt unverstanden fühlte ,desto stärker begann sich seine Menschenscheu auszuprägen.Häufig fuhr er nur noch im Schutze der Nacht durch sein geliebtes Voralpenland ,nur sehr selten zeigte er sich noch in der Öffentlichkeit.In dieser Zeit spannen sich die ersten Gerüchte und Legenden um den einsamen König:er wurde für das einfache Volk zum Märchenkönig.

Immer mehr konzentrierte sich der König auf den Bau seiner Schlösser.Im Graswangtal bei Oberammergau wurde ab 1874 an Schloß Linderhof gebaut und ab 1878 entstand auf der Herreninsel im Chiemsee das prunkvolle Schloß Herrenchiemsee.Weitere Schloßbauten waren geplant.

Die Opposition gegen Ludwig II. in der Regierung und seiner eigenen Familie wurde immer mächtiger.Zu Anfang des Jahres 1886 war der König nach offiziellen Angaben bei einem jährlichenEinkommen von 5,5 Millionen Mark mit 13 Millionen Mark verschuldet.Unabhängigen Presseberichten zufolge soll diese Verschuldung jedoch nicht so hoch gewesen sein.

 

König Ludwig II. 1879

 

Anfang Juni 1886 verschärfte sich die Krise in Bayern derart ,daß die Mitglieder des Hauses Wittelsbach ,also der Königsfamilie ,eine Einberufung des Familienrates für erforderlich hielten.Es sollte beraten werden,durch welche Maßnahmen Ludwig II. veranlaßt werden könnte ,sich wieder mehr den Regierunsgeschäften zuzuwenden und die Ausgaben für seine Prachtbauten einzuschränken.

Zur gleichen Zeit traf sich jedoch bei dem in Ungnade gefallenen Grafen Holnstein eine Gruppe von Politikern .Dieser Kreis ,an der Spitze Ministerpräsident Lutz ,beschloss  ,den König durch ein im Auftrag der Regierung erstelltes ärztliches Gutachten für geiteskrank erklären und entmündigen zu lassen.Der Onkel Ludwigs ,Prinz Luitpold von Bayern ,wurde als Regent vorgesehen.Fürst Eulenburg schreibt darüber in seinen Memoiren, Graf Holnstein habe damals bei König Ludwig den Judas gespielt.

Der Kopf dieser Verschwörung war zweifellos Lutz .Diesem Politiker kam es lediglich darauf an ,seine Position zu halten  , die durch die massive Kritik über die hohen Ausgaben des Königs bedenklich ins Wanken gekommen waren.

Am 8 . Juni wurde das angeforderte Gutachten durch die Ärzte Dr . von aterialGudden,Dr .Hagen ,Dr . Hubrich und Dr . Grashey erstellt , das eine Geisteskrankheit des Königs beweisen sollte .Hier muß aber unbedingt erwähnt werden ,das Ludwig II.von Ärzten begutachtet wurde ,die niemals Gelegenheit hatten ,ihn zu untersuchen.Sie waren ausschließlich auf die nicht immer glaubwürdigen Aussagen und Beobachtungen geZeugen angewiesen ,die ihnen die Auftraggeber des Gutachtens zubrachten.Auch das Material ,das dieser Ärztekommission vorgelegt wurde ,enthielt nur Belastendes .Gleichwertiges positives Material ,wie z.B.die Aussagen des königlichen Kabinettssekretärs Schneider wurden ignoriert.Kabinettsrat Schneider hatte aus den letzten Lebensjahren des Königs über 300 schriftliche Befehle und Anweisungen Ludwigs gesammelt ,die keinerlei Anzeichen einer Geisteskrankheit erkennen ließen.

Dieses umfangreiche Material bot er der Ärztekommission zur Auswertung an, doch wurde er weder angehört noch wurden seine gesammelten Unterlagen einer Prüfung unterzogen.

 

Ludwig II. auf dem Söller von Neuschwanstein ,um 1880

Nach einem Gemälde von F. Leeke

 

Der Tenor des umfangreichen,viele Druckseiten langen Gutachtens über den Geisteszustand Ludwig II.,das sehr viele Ungereimtheiten enthält und das auch heute noch im Hinblick auf die Gültigkeit seiner Aussage umstritten ist, lautet : Seine Majestät sind in sehr weit vorgeschrittenem Stadium seelengestört ,und zwar leiden Allerhöchstdieselben an jener Form von Geisteskrankheit ,die den Irrenärzten aus Erfahrung wohlbekannt mit dem Namen Paranoia - Verrücktheit - bezeichnet wird.Durch die Krankheit ist die freie Willensbestimmung Seiner Majestät völlig ausgeschlossen ,sind Allerhöchstdieselben als verhindert an der Ausübung der Regierung zu betrachten und wird diese Verhinderung nicht nur länger als ein Jahr ,sondern für die ganze Lebenszeit andauern.

Objektiv drängt sich hier die Frage auf ,welcher verantwortungsbewußte Arzt wohl ein solch vernichtendes Urteil fällen würde ,ohne den Patienten vorher gründlich untersucht und selbst beobachtet zu haben.

 

 

 

   

 

Kurz vor der Katastrophe im Jahre 1886 richtete Ludwig II. im Rahmen einer Privataudienz an den amerikanischen Schriftsteller Lew Vanderpoole folgende Worte:...Beleidigungen verletzen mich so tief ,daß sie mich entwaffnen.Sie drücken mich zu Boden ,und sicherlich werden sie mich eines Tages vernichten...

Am 1. Juni 1886 brach der König nach Hohenschwangau auf.Er wollte die Pfingstfeiertage auf Schloß Neuschwanstein verbringen.Er war am Ede seiner Kräfte und trug sich angeblich mit dem Gedanken, freiwillig aus dem Leben zu scheiden.Seinem Diener Weber gegenüber äußerte er : Dasmam mir den Thron rauben will ,ist nicht das Schlimmste .Aber daß man mich für verrückt erklären und lebendig begraben will ,das überlebe ich nicht!

UmMitternacht vom 11 .auf den 12 .Juni 1886 im Dienerzimmer von einer Schar Männer umringt und festgehalten.Dr. von Gudden trat auf ihn zu und sagte: Majestät ! Es ist die traurigste Aufgabe meines Lebens , die ich übernommen habe.Majestät sind von vier Irrenärzten begutachtet worden und nach deren Ausspruch hat Prinz Luitpold die Regentschaft übernommen.Ich habe den Befehl  ,Majestät nach Schloß Berg zu begleiten und zwar noch diese Nacht.

Der König fragte:Wie kommen Sie eigentlich dazu,mi ch für geisteskrank zu  erklären ? Sie haben mich ja vorher gar nicht untersucht ! worauf ihm Dr. von Gudden antwortete : Majestät ,das war nicht notwendig .Das Aktenmaterial war sehr reichhaltig und geradezu erdrückend !

Am Morgen des 12.Juni 1886 ,gegen 4 Uhr ,mußte der König mit den Ärzten und Pflegern Schloß Neuschwanstein verlassen.Die achtstündige Fahrt ,endete auf Schloß Berg am Starnberger See .Dieses Schlößchen ,einst einer der liebsten Aufenthaltsorte des unglücklichen Königs ,war inzwischen zu einem Gefängnis tiumgebaut worden :Alle Fenster stark vergittert ,die Türen mit Gucklöchern versehen und nur von außen zu öffnen .Ludwig II war ruhig,gefaßt und von eisiger Höflichkeit.

 

 Ludwig II.

in der Kleidung des Großmeisters vom Georgi - Ritter - Orden ,um 1882

Nach einem Gemälde von G. Schachinger

 

 

 

 

Am Vormittag des Pfingstsonntags (13.Juni 1886) unternahm der König zusammen mit Dr. Gudden einen Spaziergang durch den Schloßpark .In etwa dreißig Schritt Abstand folgten zwei Pfleger .Bei der Mittagstafel bemerkte Dr. Gudden den anderen anwesenden Ärzten gegenüber ,daß der König sehr fügsam sei und er glaube daraus folgern zu können ,daß Ludwig sich selbst krank fühle und auf Heilung hoffe .Als Dr. Grashey erklärte  ,er halte den Zustand des Königs für nicht rettungslos ,bekam er von Dr. Gudden die Antwort : Darüber sprechen wir ein anderes Mal .

Der König speiste allein .Nach dem Mahl beobachtete er lange von einem Fenster aus durch ein Fernglas den Starnberger See .Am späteren Nachmittag, zwischen 18 und 19 Uhr ,wünschte der Monarch nochmals einen Spaziergang zu machen .Wie am Vormittag in Begleitung von Dr. Gudden wollten sich wieder zwei Wärter anschließen ,doch Dr. Gudden winkte ab - er deutete den beiden an, ihnen nicht zu folgen .Warum Dr. Gudden dies tat ,ist nicht bekannt .Ein Rätsel,das nie mehr gelöst werden kann.Die beiden Spaziergänger entschwanden in einem Laubengang ,der zum See hinunterführte .

 

Aufbruch zum letzten ,verhängnisvollen Spaziergang

im Park von Schloß Berg am 13. 6. 1886

Nach einem Aquarell von H. Breling

 

 

Als nach 20 Uhr der König und sein Arzt noch nicht zurückgekehrt waren, breitete sich Besorgnis unter Ärzten und Dienerschaft aus ,denn auf Anordnung von Dr. Guddens sollte der Spaziergang nicht allzulange ausgedehnt werden. Wachpersonal durchsuchte den Park ,kehrte jedoch erfolglos zurück .Weil nun Außergewöhnliches zu vermuten war ,wurde das gesamte Schloßpersonal zur Suche in den Park geschickt.Einige Minuten nach 23 Uhr fand man die beiden Vermißten ,sie lagen tot im Wasser.

Über die darauf folgenden Ereignisse stimmen die amtlichen Unterlagen in ihren Aussagen nicht überein .Das erste Telegramm von Berg nach München wurde am 13.Juni 1886 um 23.55 Uhr aufgegeben und lautete :Seine Majestät und Obermedizinalrat Dr. von Gudden soeben im See gefunden .Beide gaben schwache Lebenszeichen .Dr. Müller macht künstliche Einatmung. gez.Washington.

Auch in der offiziellen Bekanntmachung der königlichen Polizeidirektion München vom 14.Juni 1886 hieß es ,daß sowohl Ludwig als auch Dr. Gudden bei der Bergung noch schwache Lebenszeichen gegeben hätten .Einen Tag später wurde jedoch plötzlich amtlich erklärt ,der König und sein Arzt seien schon tot gewesen ,als man sie gefunden habe .Die Körper der beiden hätten mindestens drei Stunden im Wasser gelegen .

Diesen Widerspruch versuchte man wie folgt aufzuklären: Die bei solchen Wiederbelebungsversuchen auftretenden mechanisch hervorgerufenden Veränderungen in der Körperlage wurden von einzelnen umstehenden Laien als Lebenszeichen aufgefast und gaben so Veranlassung zu einem irrtümlichen Bericht .(Augsburger Abendzeitung am 15.Juni 1886)   

 

 

 

Die Aufbahrung König Ludwig II. von Bayern

Nach einer Zeichnung von J. Koppay

 

Ludwig II. von Bayern wird heute noch von vielen Menschen verehrt ,sei es als "Märchenkönig" oder sei es als Mensch ,der das Schöne und Gute wollte und suchte ,dessen nächste Umgebung aber fast nur Unheil brachte .So strahlend das Leben dieses Königs begann ,so düster ,und für die Nachwelt wohl immer ein Rätsel ,endete es .

 

 

 

 

 Das Gedenkkreuz im Starnberger See bei Leoni ,an der Stelle ,an der

König Ludwig II. ertrunken aufgefunden wurde

 

 

 

                                                                               

                                                                                                                

                                                                                                                                                

              Besucherzaehler